Ich bin gelaufen – einfach weiter gelaufen

Nur eine von vielen Geschichte ist die Geschichte von Leyla. Doch es könnte auch unsere Geschichte sein (Film von Amnesty International):

Dies ist „nur“ ein Film. Und doch millionenfach Wirklichkeit. Leyla hat es wirklich erlebt – diesen Weg in die Fremde. Weit weg von zuhause. Aus einer unsicheren Gegenwart – in eine ungewisse Zukunft. In einem Land, von dem sie nichts wusste. Lang nicht wusste, ob sie bleiben darf. Sie existierte nicht. Sie war niemand. Nur ein Name auf einem Asylantrag.

Leyla – sie ist eine von ihnen: Eine junge Frau, eine junge Mutter damals, die alles riskierte, alles zurückließ. „Ich bin gelaufen. Einfach weitergelaufen.“ sagt sie. Ich war schwanger. Es gab nichts zu essen. Und nichts zu trinken. Als ich ankam, gemeinsam mit meinem Mann, war ich noch nicht mal 20 Jahre alt. Meine Kleider waren zerrissen. Ich hatte eine schmutzige Decke. Sonst nichts. Ich wog noch 45 Kilo. Ich war schwanger, im sechsten Monat. Ich war so dünn, dass ich kaum mehr stehen konnte. Doch ich habe überlebt. Und auch mein Kind. Mein Kind, das mir weggenommen wurde, kurz nach der Geburt. Es war lange Zeit nicht klar, ob ich abgeschoben werde. Und ob ich mein Kind wiedersehe. Ich habe gekämpft. Jeden Tag. Ich ging zur Pflegefamilie, um meinen Sohn zu sehen. Ich war beim Jugendamt. Jeden Tag. Ich sagte: „Ich will mein Kind zurück! Ich bin eine gute Mutter.“ Sie kämpfte. Und sie siegte.

Sie bekam ein zweites Kind. Ihr Mann: Prügelte weiter. Kaputt durch sein Trauma. Nicht fähig, Vater zu sein. Er ließ sie allein. Zwei Söhne. Fast erwachsen. Und sie blieb allein. Sie ist vierzig Jahre alt. Und doch hat ihr Trauma Spuren hinterlassen. Der Krieg. Misshandlung. Flucht. Jeden Tag Schmerzen. Im Rücken. Überall. Schlaflosigkeit. Nicht mehr atmen können. Plötzlich. Aus der U-Bahn flüchten. Angst. Und doch: Immer weiter machen. Für die Kinder kochen. Sich von schlecht bezahlter Arbeit zu schlecht bezahlter Arbeit schleppen. Sie irgendwie durchbringen. Überleben. Sie ist Analphabetin. Und chronisch krank. Aber: „Ich bin stark!“ sagt sie. „Meine Jungs sind toll!“ sagt sie. „Mama, du brauchst keinen Mann, sagen sie.“ erzählt sie lachend. „Du hast uns, sagen sie. Wir machen die Schule, und wir finden einen guten Job! Wir werden dich immer beschützen!“ Sie sind stark. Und liebevoll. Alle drei.

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